Freitag, 20. Februar 2015
Am Flughafen
Samstag, 31. Januar 2015
Es regnet
Mittwoch, 28. Januar 2015
Wienerisches Amerikanisch
Dienstag, 27. Januar 2015
1001 Worte
Mittwoch, 21. Januar 2015
Die Zeit
Sonntag, 18. Januar 2015
An den Leser
Ich wende mich an den werten Leser, der seine begrenzte Zeit sich nimmt, um in meinen Texten zu suchen. Wonach er sucht sei seine Sache, was er findet jedoch meine. Das ist zumeist das Problem des heutigen Schriftstellertums, nämlich: es begründet sich in seiner subjektiven Unterhaltungsform. Wer heute schreibt, der schreibt Geschichten, schreibt was sich verkauft, also was der Bürger Nr. 0815 gerne liest. Wer sich nur oberflächlich, sprich in der Ubahn oder im Bus mit Büchern beschäftigt, wie es wohl die meisten der heutigen Leser tun, wird seinem Gemüt nur leichte Kost zumuten, also geistige Diät-Bücher kaufen – auch Bestseller genannt. Wer sich in den gegenwärtigen Zeiten ein gutes Buch zulegen möchte findet es beim Antiquitätenhändler. Die Zeiten des Schreibens sind vorbei, ja, tot sind sie. Im legendären Cafe Central in der Wiener Herrengasse, wo sich die namhaftesten Schreiber einst die Hand reichten, ihre Schreibblockaden zusammen mit Schach und Tarock aussaßen, die Motivation in der Suppenschüssel suchten, fanden und verewigten, da gibt es heute keinen einzigen wahrhaften Schriftsteller inmitten der Touristen, die Filterkaffee zum Mürben Kipferl bestellen. Ebenso tot wie die unvergessenen Literaturzirkel sind auch die vermodernden Anhäufungen von Feuilletons und Essays und deren größter Meister, Anton Kuh.
Das begründet sich des Schreibers Meinung nach in dem Verlust des guten Geschmacks. Ich habe die Wurzel des Übels lange gesucht, an den unmöglichsten Orten gefunden, dann doch als Attrappe enttarnt, aber letztendlich bin ich mir sicher, sie festzuhalten. Ich halte sie in die Höh', entblöße sie vor euren Häuptern, seht her: der fehlende Sinn für gute Literatur ist der Grund der untergegangenen Schreibkultur. Verkauft wird der Roman für die moderne Hausfrau, für Schulkinder und Freizeitleser. Wenn der Markt keine Monopolisierung durchführen würde und auch kleine Schreiber ihre Bücher verlegt bekommen würden, wäre an dieser Tatsache nichts auszusetzen – in Zeiten des knallharten Kapitalismus aber ist die Existenz dieser erwähnten Gruppe von Schriftstellern ernsthaft bedroht. Wer tatsächlich gegen den Strom schwimmt, wird seine Leserschaft nur schwer erreichen und sein Leben in den seichten Höhen der Anerkennung verbringen. Wer also abseits des Mainstreams schreibt braucht :
Geld zum Leben, vom Schreiben verdient er nichts;
Viel Ausdauer, um die Leser zu erreichen;
und ein frohes Gemüt, um dem Verdruss der allgemeinen Ignoranz erfolgreich entgegenzutreten.
In einem Satz also: Wer heutzutage schreibt, schreibt entweder um viel Geld zu verdienen, oder man schreibt aus masochistischer Leidenschaft, einer Leidenschaft, sich selbst von den Freuden des Lebens fernzuhalten. Zum Glück kann man zwischen beiden Gruppen eine dicke, schwarze Trennlinie ziehen. Verwischt wird sie selten bis gar nicht. Ich hoffe zutiefst, dass das 21. Jahrhundert genügend Schriftsteller der zweiten Art hervorbringen wird, um auch durch seine Kunst und Kultur in die Geschichtsbücher eingehen zu können – und das in schönen Erinnerungen.
Mein lieber Leser, ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Donnerstag, 15. Januar 2015
Damals
Damals – ein subjektiveres Wort habe ich bislang nicht gefunden. Jede Generation hat ihre eigene Welt der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Die eigene Vergangenheit könnte als die Gegenwart eines anderen vollkommen anders aufgenommen worden sein, und so ergeben sich so viele Wahrheiten und Eindrücke, wie es Menschen auf diesem Planeten gibt.
Damals, ich war wohl acht oder neun Jahre alt – da wohnten meine Eltern mit mir an einer dicht befahrenen Straße. Ich erinnere mich an einen Innenhof des Gebäudes, an drei alte Damen, Tratschweiber, wie meine Mutter sie abfällig bezeichnete. Jeden Tag saßen sie auf derselben Bank, vor dem Sandkasten in dem ich spielte, und erzählten sich ihre Wahrheiten und Eindrücke, die sie als Generation miteinander verbanden. Sie waren Kinder des Krieges, verurteilt und vergessen, im Strudel der Zeit mitgenommen und beiseite geschoben. Ich erinnere mich an den alten, wiener Greissler, keine 500 Meter vom Wohnhaus entfernt. Ein Laden, der auf mich Kind klein gewirkt hatte, dessen Sortiment man mit einer Umdrehung überblicken konnte, voller Eigenerzeugnisse und regionalen Produkten. Der Geruch von frischem Obst und Gemüse, das in offenen Holzkisten angeboten wurde, lassen diese Erinnerungen besonders lebendig wirken. Ich bettelte stets um eine Süßigkeit, die ich als Belohnung bekam, für meinen körperlichen Einsatz – ich trug das Sackerl nach Hause. Es dauerte nicht mehr lange, da übernahmen die großen Konzerne den Markt, wurden zum Supermakt und schließlich zum Hypermarkt umgewandelt. Die kleinen Läden mussten schließen, weil das homogene Angebot den immergleichen, niedrigen Preis beibehalten konnte und der Geiz der Leute sie in die Konzernhallen trieb. Greissler gibt es in Wien kaum mehr – mit ihnen sind auch die kleinen Bauernhöfe und Pflanzenzüchter vom Bild der Landschaft weggefegt worden.
Wien – das hieß damals Einzigartigkeit. Auch wenn mir die letzten Tage der alten österreichischen Kultur als Kindheitserinnerungen angeheftet sind, frage ich mich oft, wie die Menschen meines heutigen Alters in der Zeit gelebt hatten. Ohne Computer, der der Schreibmaschine einen Vorteil von Jahrzehnten voraus ist, ohne Internet, das jegliche Abgeschiedenheit und Entfernung überwältigt, ohne Handy, mit dem man an jedem Ort sofort erreichbar ist. Nein, ich kann mir diese Zeit kaum vorstellen. Keine SMS, keine Mails, keine Telefonate in der Straßenbahn– mein Kopf routiert bei dieser Vorstellung, und doch hat sie etwas romantisches, Altvertrautes an sich.
Damals, es war wohl eine Zeit der Stille, die Ruhe vor dem Sturm, der die Fundamente der Stadt aus den Fugen reissen würde. Ein Sturm, der aus dem Westen kam und nicht nur die englische Sprache zu uns brachte – auch das Essen und die Fettleibigkeit haben wir inzwischen von unseren lieben Freunden übernommen. Was ich vermisse ist die kulturelle Identität unseres Landes und seiner Bevölkerung. Während wir als Kinder in Latz- und Stoffhosen umherrannten, spaziert unsere jüngste Generation in Jeans und HipHop-Kappen mit dem Aufdruck "OBEY" durch die Straßen. Es schmerzt, alte wiener Worte und Sprüche in Vergessenheit zu wissen, den unterbairischen Sprachrythmus in den Schulen, Banken, Kaufhäusern und an manchen Ecken der Stadt zu vermissen. Möge man mich altmodisch nennen, oder kleinlich oder auch änstlich und verrückt – ich vermisse den oidn, schiachn Bletschntandler (alten, hässlichen Gemüsehändler) am Wochenende, und wir alle wissen, dass er nie mehr zurückkommen möchte.
Damals, die Mitte der 1990er, für manche waren es die alten Tage, für mich aber waren diese Jahre der tiefe Topf, aus dem ich die Fundamente meiner Persönlichkeit geschöpft habe. Nie wieder wird es eine solche Generation geben, wie auch die heutige wohl einzigartig bleibt. Wir alle drehen uns im unendlichen Kreislauf des Lebens, nur der Fortschritt bleibt nicht stehen und macht so jedes Jahrzehnt der Geschichte einzigartig.